Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss. Ausstellung: 2. April-26. Juli 2026, Georg Kolbe Museum. Zweisprachiger Katalog (dt./engl.) erschienen im Hirmer Verlag - Aviva - Berlin Online Magazin und Informationsportal für Frauen aviva-berlin.de Kunst + Kultur



AVIVA-BERLIN.de im April 2026 - Beitrag vom 11.04.2026


Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss. Ausstellung: 2. April-26. Juli 2026, Georg Kolbe Museum. Zweisprachiger Katalog (dt./engl.) erschienen im Hirmer Verlag
AVIVA-Redaktion

Rhythmische Linien und geometrische Formen prägen die Zeichnungen, Malereien, Reliefs und Skulpturen von Marlow Moss. Als unangepasste, lesbische, jüdische Künstlerin blieb sie in der Kunstszene der 1930er- und 1940er-Jahre trotz wegweisender Innovationen lange weitgehend unbeachtet.




Als eine der wenigen in den avantgardistischen Kreisen aktiven und anerkannten Frauen sowie als Mitglied der Pariser Künstler/-innenvereinigung Abstraction-Création entwickelte Marlow Moss eine unverwechselbare Formensprache zwischen Malerei und Skulptur. Mit ihren streng rhythmischen Kompositionen, geometrischen Reliefs und ihrer innovativen Verwendung der Doppellinie in der konstruktivistischen Malerei und Skulptur suchte sie nach einer universellen Ordnung von Farbe, Linie und Raum.



Lange Zeit blieb ihr Werk im Schatten der Kunstgeschichte – nicht zuletzt aufgrund von Verfolgung, Exil, dem Verlust vieler Arbeiten und ihrem queeren Selbstverständnis.

Schlüsselfigur der abstrakten Kunst in den Fokus gerückt

Das Georg Kolbe Museum widmet Marlow Moss (1889-1958) 2026 die erste große Ausstellung in Deutschland. Erstmals werden ihre heute noch erhaltenen Skulpturen präsentiert. Malerei, Zeichnungen, Fotografien, Filme und Archivmaterial ergänzen die Ausstellung, die ein eindrucksvolles Bild der künstlerischen Vision und des bewegten Lebens von Moss zeichnen. Die Ausstellung führt Leihgaben aus bedeutenden Museen und Archiven in Großbritannien, den Niederlanden, der Schweiz, Frankreich, den USA und Deutschland sowie zahlreichen Privatsammlungen zusammen.



Zur Künstlerin: Marjorie Jewel ("Marlow") Moss wird am 29. Mai 1889 in Kilburn, London als Tochter von Frannie Moss und des Textilhändlers Lionel Moss geboren. 1897 erkrankt sie an Tuberkulose, die Krankheit bestimmt ihr weiteres Leben. 1916 beginnt sie, gegen die Wünsche ihrer Familie, ein Kunststudium an der St. John´s Wood Art School, später an der Slade School of Fine Arts. 1920 bricht sie sowohl den Kontakt zur Familie als auch ihr Studium ab und zieht allein nach Cornwall. Zu dieser Zeit nimmt sie den Namen ´Marlow´ an und beginnt, sich die Haare kurz zu schneiden und androgyn zu kleiden. Drei Jahre später nimmt sie erneut ein Kunststudium an der Penzance School of Art auf. Marlow Moss zieht es 1927 nach Paris: dort beginnt sie, an der Académie Moderne bei Fernand Léger und Amédée Ozenfant zu studieren, und trifft ihre spätere Lebenspartnerin, die Schriftstellerin Antoinette Hendrika (Nettie) Nijhoff-Wind. 1929 begegnet sie zum ersten Mal Piet Mondrian, sie freunden sich an und stehen fortan in einem intensiven künstlerischen Austausch. Zwei Jahre später wird sie auf dessen Anregung hin Gründungsmitglied der Gruppe Abstraction-Création. Moss ist mit ihren Kunstwerken bei Pariser, Baseler und Amsterdamer Sammelausstellungen vertreten. Mit Nettie Nijhoff ziet sie sich 1937 auf das Château d´Evreux in Gauciel zurück, 1939 auf die niederländische Insel Walcheren. 1940, vor der deutschen Invasion der Niederlande, ist sie gezwungen, nach England zu fliehen. Dort lässt sie sich in Lamorna in Cornwall nieder. Bei einem alliierten Luftangriff im Jahr 1944 wird das von deutschen Truppen besetzte Château d´Évreux im Zuge der Bombardierungen der Region Évreux zerstört, wodurch auch die dort befindlichen Werke der Künstlerin und anderer Künstler (u.a. Mondrian) vernichtet werden.
1954 wird Moss Mitglied des britischen Zweigs der Group Espace.
Den Kontakt zu Nettie Nijhoff hält Marlow Moss bis zu ihrem Krebstod am 23. August 1958.
Das Stedelijk Museum Amsterdam würdigt Moss 1962 mit einer großen Einzelausstellung.

Die Werke der Konstruktivistin Marlow Moss befinden sich heute in bedeutenden internationalen Sammlungen, darunter die Tate Modern, das Kunstmuseum Den Haag, das Kröller-Müller Museum sowie das Rijksmuseum und die Leeds Art Gallery. Weitere Arbeiten sind unter anderem im Museum of Modern Art und im Centre Pompidou vertreten.



Im Dialog mit zeitgenössischen Positionen von Leonor Antunes, Tacita Dean, Florette Dijkstra und Ro Robertson entsteht eine vielschichtige Begegnung von historischer Avantgarde und Gegenwartskunst.
Die zeitgenössischen Künstler*innen Leonor Antunes (*1972), Tacita Dean (*1965), Florette Dijkstra (*1963) und Ro Robertson (*1984) bereichern die Ausstellung mit ihren eigenen künstlerischen Perspektiven, die durch die künstlerischen Interventionen individuelle Verbindungslinien zu Moss eröffnen. Im Dialog der Werke entsteht so eine Begegnung zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
Kuratiert wird das Projekt von Dr. Lucy Howarth und Dr. Elisa Tamaschke.

Zur Ausstellung
Räume schaffen. Die Konstruktivistin Marlow Moss. Mit Leonor Antunes, Tacita Dean, Florette Dijkstra und Ro Robertson.
02. April 2026 – 26. Juli 2026

Georg Kolbe Museum
Sensburger Allee 25, 14055 Berlin
Begleitend zur Ausstellung wird ein Rahmenprogramm mit Vorträgen, Künstler/-innengesprächen, Führungen und Workshops für Kinder und Jugendliche angeboten.
Mehr Informationen: www.georg-kolbe-museum.de

Begleitend erscheint ein zweisprachiger Katalog (dt./engl.) im Hirmer Verlag: Die Konstruktivistin Marlow Moss. Räume schaffen
Der Band zum Schaffen der Künstlerin Marlow Moss, die jetzt die verdiente Anerkennung erfährt! Ihrem männlichen Pendant – Piet Mondrian – steht sie in nichts nach. Ihre künstlerische Suche nach dem Raum und dem Licht darin verarbeitete Moss vielseitig in Malerei, Zeichnung und Skulptur. Eine fesselnde queere Lebensgeschichte, begleitet von einem vielschichtigen Werk.

AVIVA-Tipp Detailliert recherchierte Beiträge ausgewiesener Marlow-Moss-Kenner*innen mit zahlreichen persönlichen und vertiefenden Einblicken in Werk und Biografie sowie Abbildungen historischer Dokumente, Briefe und fragmentarischer Notizen machen den Katalog zu einem wertvollen und fundierten Nachschlagewerk.



Die Konstruktivistin Marlow Moss. Räume schaffen
Herausgegeben von Georg Kolbe Museum, Kathleen Reinhardt, Elisa Tamaschke
Beiträge von L. Antunes, T. Dean, F. Dijkstra, L. Howarth, R. Robertson, E. Tamaschke
Text: Deutsch / Englisch
128 Seiten, 80 Abbildungen
21 x 28 cm, Klappenbroschur
ISBN: 978-3-7774-4722-3
35,00 € [D] | 36,00 € [A]
Mehr Informationen: www.hirmerverlag.de


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Marlow Moss - A Forgotten Maverick Zeichnungen, Malereien, Reliefs und Skulpturen mit rhythmischen Linien und geometrischen Formen
Die Geschichte von Marlow Moss ist die einer unangepassten, lesbischen, jüdischen Malerin und Bildhauerin in der Kunstszene der 1930er und 40er Jahre, die trotz ihrer richtungsweisenden Innovationen in der öffentlichen Wahrnehmung – im Gegensatz zu ihren Zeitgenossen – kaum berücksichtigt wurde. (2017)



Quellen: Georg Kolbe Museum, Hirmer Verlag, AVIVA-Berlin
Copyrights Fotos: Sharon Adler


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Beitrag vom 11.04.2026

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